Was ist sensorisches Spielen?

Die Idee hinter dem Begriff des sensorischen Spielens kommt ursprünglich aus dem englischsprachigen Raum – insbesondere den USA (deshalb auch oft unter „sensory play“ zu finden).

Das sensorische Spielen an sich ist nichts Neues und gab es eigentlich schon immer. Es bezeichnet schlicht Aktivitäten bei denen mindestens einer, meistens aber mehrere der Sinne aktiviert und stimuliert werden. Das kann das Hören, das Sehen, das Berühren/Fühlen, das Riechen oder das Schmecken sein. Auch Spiele bei denen es um Bewegung und/oder Gleichgewicht geht gehören dazu. So sind das Herummatschen mit den Händen, das Herumspritzen mit Wasser und sogar das Springen in Laubhaufen während eines Ausflugs bereits Beispiele für sensorisches Spielen – was die Kinder in der Regel ja von ganz alleine machen.


Mit der Bezeichnung „Sensory Play“ ist meistens allerdings ein aktiv und bewusst bereitgestelltes Spielangebot gemeint, bei dem Materialien, Konsistenzen und Vorgänge erforscht werden können – quasi eine Art Ergänzungsangebot zur allseits beliebten Matschpfütze. Es ist eine Möglichkeit, auch bereits mit sehr kleinen Kindern, gemeinsame Aktivitäten zu gestalten und das als Ergänzung – nicht als Ersatz – für das freie Entdecken und Ausprobieren draußen in der Natur.

Wofür ist sensorisches Spielen gut?

Kinder, vor allem kleine Kinder, erforschen und verstehen ihre (Um-)Welt mit Hilfe ihrer Sinne. Durch das Erleben mit allen Sinnen werden Nervenverbindungen im Gehirn aufgebaut und dadurch viele verschiedene Lernbereiche gefördert (Grobmotorik, Feinmotorik, Problemlösungskompetenz und auch soziale, sprachliche und kognitive Entwicklung). Phantasie und Kreativität werden angeregt und gefördert.

Auch einige der sog. „Frühförderprogramme“ greifen diese Gedanken auf: PEKiP (Prager-Eltern-Kind-Programm), DELFI (Denken, Entwickeln, Lieben, Fühlen, Individuell) und andere; ebenso wie bspw. die Sensorische Integration als Therapiemethode.

Asia Citro – eine der Vorreiterinnen des Blogtrends zum sensorischen Spiel aus den USA – schreibt in ihrem Buch: „Play is powerful.“ Sie meint damit das offene, freie Spiel – im Gegensatz zur medienorientierten Frühförderung am Bildschirm, die in den USA kulturell geprägt vermutlich einen höheren Stellenwert hat als bei uns. Als Gegenbewegung dazu entwickelte sich dort der Trend zum sensorischen und freien Spiel, welches jedoch in der Regel aktiv durch die elterliche Bereitstellung der Materialien angestoßen wird.

Dieses aktive Anstoßen der Aktivitäten ist in vielen Fällen gar nicht notwendig – die Matschpfütze wird auch ohne das Zutun der Eltern oder Erzieher*innen erforscht. Asia Citro zitiert in diesem Zusammenhang Neil deGrasse Tyson, der auf die Frage von Eltern, wie sie ihren Kindern ein Interesse an Wissenschaft vermitteln könnten, antwortet: „Get out of their way.“ Die Neugier sei den Kindern nämlich angeboren. Daher sollten Eltern sie einfach machen lassen und ihnen allenfalls Material zur Verfügung stellen, welches ihnen beim Erkunden und Entdecken hilft.

Sensorisches Spiel findet also regelmäßig statt, auch ohne Unterstützung, wenn man die Kinder lässt (matschen, spritzen, malen, kleistern, toben…). Sensorisches Spiel im Sinne des aktiv angebotenen Sensory Play ist vor allem eins: ein großer Spaß und eine Inspirationsquelle auch für größere Kinder und sogar für Erwachsene. Kinder können sich darin endlos vertiefen – fast schon meditativ.

Tipps & Tricks

Um auch als Eltern oder Erzieher*in den Spaß am Sensory Play nicht zu verlieren, sind ein paar Grundregeln zu empfehlen:

Vorbereitung/ Unterlagen:

Für fast alle Aktivitäten bietet es sich an, eine Wachstuch-Tischdecke parat zu haben – je größer, desto besser. Für kleine Kinder empfehle ich das Auslegen auf dem Fußboden, bei größeren kann man es auch am Tisch probieren, wenn der Fußboden nicht allzu empfindlich ist… denn eins ist schon klar: ganze ohne kleckern geht’s meist nicht.

spielen mit buntem Reis

Bei Aktivitäten mit trockenen Materialien, die gerne in alle Richtungen kullern (Reis, Erbsen etc.) kann auch eine Decke vorteilhaft sein. Bei „nassen“ Aktivitäten schadet es nicht, ein Handtuch parat zu haben.

Feste Regeln:

Wahrscheinlich die wichtigste Voraussetzung, damit der Erwachsene hinterher nicht völlig k.o. schreit: „Niemals wieder!“

Auch mit kleinen Kindern kann man vorab feste Regeln vereinbaren (und konsequent umsetzen): z. B. das Material bleibt in der Box oder mit Material nicht das Wachstuch verlassen.

Ort festlegen:

Am entspanntesten ist es natürlich bei schönem Wetter draußen zu spielen. Drinnen geht es aber auch mit dem Wachstuch auf dem Boden oder auf dem Tisch. Für manche Aktivitäten kann man auch direkt in die Badewanne ziehen.